Menopause im Mittelpunkt

Eine Tagung in Wien beleuchtete die Menopause aus vielfältigen Perspektiven. Während um die Wechseljahre ein riesiger Markt entstanden ist, fühlen Betroffene sich noch immer zu wenig informiert. Von Hannah Kocevar

Foto mit Teilnehmerinnen der Menopausen-Tagung, die im Publikum sitzen
Foto: Julia Frauenstein

Inhalt in Einfacher Sprache

Das ist die Zusammenfassung von einem Text über eine Tagung zu den Wechseljahren. 
Hannah Kocevar war bei der Tagung und hat den Text geschrieben.

Die Tagung fand am 16. Oktober 2025 im Wiener Rathaus statt. Viele Wissenschafter*innen, Ärzt*innen und interessierte Menschen haben sich dort getroffen und über die Wechseljahre diskutiert.

Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebens-Phase, wenn sich die Hormone im Körper von Frauen ändern. Meistens treten die Wechseljahre zwischen 40 und 50 Jahren auf. Sie sind für viele betroffene Menschen eine herausfordernde Zeit. Es können körperliche und psychische Veränderungen auftreten. Die Ärztin Barbara Maier sagte in der Eröffnungsrede: Es ist wichtig, Frauen mit ihren Beschwerden ernst zu nehmen.

Auf der Tagung wurde auch eine Studie zu den Wechseljahren vorgestellt. In der Studie wurden 45 Frauen interviewt. Sie haben von ihren Wechseljahren berichtet. Sie erzählten zum Beispiel von Gewichts-Zunahme, Hitze-Wallungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Rückzug und Veränderungen ihrer Sexualität.

Viele Frauen sagten: Vorher wussten sie wenig über die Wechseljahre. Manche empfinden eine Hormon-Ersatz-Therapie als hilfreich. Die medizinische Forschung sagt: Bei ungefähr einem Drittel der Frauen in den Wechseljahren ist eine Hormon-Ersatz-Therapie sinnvoll.

Bei der Tagung gab es auch viele Diskussionen. Es wurde klar: Viele Frauen wünschen sich mehr Informationen, zum Beispiel Aufklärung in Schulen und Lehrbüchern. Aber auch eine Anlaufstelle für Betroffene wurde als Idee genannt.

Brigitte Theißl hat diese Zusammenfassung geschrieben. Hast du Fragen zum Text? Schreib an die Redaktion: be(at)ourbodies.at

Die Wechseljahre sind für viele betroffene Personen eine herausfordernde Zeit der Umstellung, da sie häufig körperliche und psychische Veränderungen mit sich bringen. Unsicherheit darüber, ob Beschwerden bereits mit der Menopause zusammenhängen oder andere Ursachen haben, und ob sie behandelt werden sollten oder nicht, stellt eine zusätzliche Belastung dar. So hat die Einführung der Hormonersatztherapien nicht nur eine Symptomentlastung für viele Betroffene mit Beschwerden gebracht, die Hormonersatztherapie kann auch gesundheitliche Risiken haben. Die Entdeckung der Menopause als Marktlücke nutzt diese Unsicherheiten häufig ökonomisch aus, anstatt echte Aufklärung zu leisten. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen Wissen vermittelt, Erfahrungen geteilt und offene Fragen ernst genommen werden.

Aufmerksamkeit für die Menopause

Einen solchen Raum zu schaffen war das Anliegen einer Tagung zur Menopause, die am 16. Oktober 2025 im Wiener Rathaus stattfand. Sie wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGPGG), dem Wiener Programm für Frauengesundheit sowie der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien organisiert. In drei thematischen Blöcken wurde die Menopause historisch und kulturwissenschaftlich verortet, das Erleben von Frauen in der Menopause diskutiert und schließlich medizinisch beleuchtet und kontextualisiert. 

Schon in der Eröffnungsrede von Barbara Maier, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Präsidentin der ÖGF und ÖGPGG, wurde deutlich, dass es bei dieser Tagung darum ging, das Erleben von Frauen ernst zu nehmen. Katharina Leithner-Dziubas, Stellvertretende Klinikleiterin der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien, sowie Veronika Siegl, Sozialanthropologin an der Universität Wien, betonten, dass der Umgang mit der Menopause stets auch gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit widerspiegelt. Die Entwertung, die viele Frauen während der Menopause erleben, muss vor dem Hintergrund einer patriarchalen und dichotomen Geschlechterordnung verstanden werden, die permanent Druck auf Frauen ausübt, jung und fertil sein zu müssen. Zugleich wird wenig über das Thema aufgeklärt und es fehlen qualitätsgesicherte Anlaufstellen. 

Menopause als Hormonmangelkrankheit

Der erste Block des Tages verortete die Menopause historisch und kulturell. Wie Martina Schlünder, Ärztin und Medizinhistorikerin an der Charité Berlin, in ihrem Vortrag darlegte, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhand von Gewebsschnitten erstmals sichtbar, dass sich die Gebärmutterschleimhaut zyklisch aufbaut und wieder abgestoßen wird. In der Folge rückte die hormonelle Regulation des Zyklus in den Fokus der Forschung. Als es 1920 erstmals gelang, Sexualhormone chemisch zu isolieren, wurde Testosteron als das männliche und Östrogen als das weibliche Hormon klassifiziert. Dass in den Proben weiblicher Probandinnen auch Testosteron enthalten war, stieß dagegen lange auf Unverständnis. Schlünder verwies darauf, dass diese Beobachtung nicht zu dem dominanten dichotomen Geschlechterverständnis passte. 

Die Menopause wurde als Hormonmangelkrankheit verstanden. Frauen in der Menopause schienen gefährlich, da die hormonellen Umstellungen sie unberechenbar und auch weniger beherrschbar erscheinen ließen. Unterstützt durch die Einführung synthetischer Hormone ab 1949 wurde Östrogen zur Behandlung und auch zur Vorbeugung empfohlen. Der Boom der Hormonersatztherapie brach jedoch 2002 ein, als eine groß angelegte Langzeitstudie der Women’s Health Initiative ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Langzeitanwendung dokumentierte. Heute wird eine restriktivere Indikationsstellung und eine Begrenzung der Anwendungsdauer empfohlen. 

Markt für die Menopause

Gleichzeitig wächst rund um die Menopause ein lukrativer Markt für Lifestyle- und Wellnessprodukte. Die öffentliche Thematisierung der Menopause durch prominente Frauen ist oftmals direkt mit kommerziellen Aktivitäten im Lifestyle- und Wellnesssektor verbunden. Dabei werden persönliche Erfahrungen öffentlich geteilt und als Personal branding strategisch in ökonomisches Kapital überführt. So gründete zum Beispiel Naomi Watts die Wellnessmarke Stripes, die sich gezielt an Frauen in den Wechseljahren richtet. Halle Berry wiederum betreibt mit Re-spin Health eine Online-Gesundheitsplattform, die Informationen, Beratung und Produkte rund um hormonelle Gesundheit anbietet. 

Monika Pietrzak-Franger, Professorin für Anglistische Kultur- und Literaturwissenschaft an der Universität Wien, bezeichnete in ihrem Vortrag dieses Phänomen der Popkultur als menopausal turn, der vor etwa fünfzehn Jahren eingesetzt hat. Teilweise wird medial ein Defizitnarrativ aufrechterhalten, das den Verlust von Fruchtbarkeit, Attraktivität und sozialer Zugehörigkeit betont. Gleichzeitig wird die Menopause als Moment des Neubeginns oder der Entdeckung des wahren Selbst inszeniert. In beiden Fällen wird der Körper als ein Ort der Optimierung und Selbstvermarktung in Szene gesetzt. Pietrzak-Franger warnte deshalb davor, diese neue mediale Sichtbarkeit mit tatsächlicher politischer Teilhabe oder gesellschaftlicher Inklusion zu verwechseln. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass besonders jüngere Zuhörerinnen sich nicht ausreichend informiert fühlen und sich mehr Aufklärung über die Menopause wünschen.

Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen

Die ersten beiden Vorträge verdeutlichten, wie viele verschiedene Diskurse das Verständnis der Menopause formen und bestimmen, worüber gesprochen wird und was ausgelassen bleibt. Im nächsten Block wurde das Erleben von Personen in der Menopause thematisiert. Katharina Leithner-Dziubas stellte zusammen mit Eva Thurner, Fachärztin für Frauenheilkunde und Psychotherapeutische Medizin, vorläufige Ergebnisse ihrer gemeinsamen Studie vor. In der Erhebung werden insgesamt 45 Frauen zu ihrem Erleben der Menopause befragt. Die interviewten Frauen berichteten über Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Rückzug und Veränderungen ihrer Sexualität. Ihr Vorwissen beschrieben sie häufig als allgemein und unklar. Viele hatten von ihren Müttern wenig bis gar nichts über die Menopause erfahren. Während manche Frauen die Menopause als langsamen Übergang erlebten, stellte sie sich für andere als plötzlicher und überraschender Bruch dar. Für Frauen, die gewollt oder ungewollt kinderlos geblieben waren, war die Menopause zudem ein Moment, sich nochmal bewusst mit ihrer Kinderlosigkeit auseinanderzusetzen. Die befragten Frauen erzählten, dass für die Bewältigung ihrer Symptome Hormonersatztherapien und andere Therapien sinnvoll waren. Viele betonten auch, dass sie sich in dieser Zeit mit Themen wie Tod und Lust auseinandersetzten und sich ihren Körper neu aneigneten. 

Welche Bewältigungsstrategien gewählt werden, steht auch im Zusammenhang mit dem Bildungsgrad der betroffenen Person. Sylvia Gaiswinkler, Soziologin, Projektleiterin und Koordinatorin des Aktionsplans für Frauengesundheit in der GÖG, stellte im Anschluss den Menstruationsgesundheitsbericht 2024 vor. Ein eindrückliches Ergebnis ist, dass Frauen mit formal höheren Bildungsabschlüssen signifikant häufiger auf Hormonersatztherapien und Entspannungsmittel zurückgreifen als Frauen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss. Gaiswinkler betonte, dass die Erhebung von Menopausensymptomen sich als methodisch schwierig erwies, da viele Teilnehmende unsicher darüber waren, was als Symptom zu werten ist. Vielen Personen wurde erst retrospektiv klar, dass es sich bei beobachteten Veränderungen um Zeichen der Menopause gehandelt haben könnte. Hitzewallungen waren mit 47% das Symptom, unter dem Betroffene am häufigsten litten. Nachtschweiß und Schlafprobleme wurden ebenfalls häufig angegeben. Zu den betroffenen Lebensbereichen gehört allen voran das Sexualleben, aber für viele der Befragten war auch das Arbeitsleben beeinträchtigt. Insgesamt konstatierte sie einen dringenden Bedarf an mehr Forschung und Lehre zu dem Thema sowie an qualitätsgesicherten Informationen und Anlaufstellen, was im Saal auf große Zustimmung traf. 

Menopause am Arbeitsplatz

Der nächste Vortrag von Veronika Pelikan, Journalistin und Veranstalterin des MenoDay, unterstrich diese Forderungen. Pelikan sprach über typischen Irrglauben zur Menopause. Erstens seien Personen in der Menopause keine Randgruppe. Zweitens seien Frauen in den Wechseljahren nicht alt, sondern oft am Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn. Sie stellte ihre Studie vor, in der sie erhoben hat, dass über zwei Drittel aller befragten Frauen am Arbeitsplatz Beschwerden haben. 6% der Frauen waren aufgrund dieser Beschwerden in betriebsärztlicher Betreuung, 21% haben ihre Arbeitszeit reduziert. Diese Zahlen verdeutlichen, dass eine Sensibilisierung der Führungskräfte und Betriebsärzt:innen große Entlastungen bringen könnte. Schließlich betonte Pelikan, dass sich mit einer passenden Therapie, in der Hormonersatztherapien und Lifestylefaktoren kombiniert werden, Symptome häufig kontrollieren lassen. Im Anschluss an ihren Vortrag gab es eine lebendige Diskussion zu den Möglichkeiten und Limitationen der Hormonersatztherapien, die von Kristina Hametner, Soziologin und Leiterin des Büros für Frauengesundheit und Gesundheitsziele der Stadt Wien, moderiert wurde. 

Symptome gezielt behandeln

Im dritten Block zur medizinischen Behandlung in der Menopause stellte Barbara Maier den derzeitigen medizinischen Stand vor. Zuerst erklärte sie die Physiologie der Menopause. Die Eierstöcke sprechen auf die Hormone aus der Hirnanhangsdrüse nicht mehr an und es werden weniger Progesteron und Östrogen produziert. Das Testosteron sinkt kontinuierlich leicht ab. Die Hitzewallungen gelten als Leitsymptom der klinischen Diagnose, an die eine Hormonuntersuchung von FSH und Östrogen angeschlossen werden sollte. Diese messbaren Ergebnisse und Behandlungsmöglichkeiten sollten jedoch nicht davon ablenken, dass das Biologische kulturell mitbestimmt ist. In der Behandlung geht es darum, sowohl Overtreatment physiologischer Prozesse als auch Undertreatment pathologischer Prozesse zu vermeiden und gezielt die Symptome der Patientin zu behandeln. Zur Hormonersatztherapie gelte grob, dass ungefähr 1/3 menopausaler Frauen davon profitieren. Sie sollte dabei so niedrig wie noch erfolgreich dosiert und im Lauf der Behandlung schrittweise reduziert werden.  

Frühe Menopause

Besonders Frauen, die durch einen ärztlichen Eingriff eine frühzeitige Menopause erleiden, sind häufig einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Oft sind die Ursachen eine Erkrankung oder ein notwendiger ärztlicher Eingriff. Die Folgen sind eine verfrühte Abnahme der Knochendichte, aber auch ein höheres Demenzrisiko und eine höhere kardiovaskuläre Mortalität. Außerdem leidet die psychische Gesundheit. Friederike Siedentopf ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Psychotherapeutin mit einer Praxis für Brusterkrankungen in Berlin. Sie stellte ihre Arbeit mit Frauen vor, die aufgrund einer Brustkrebserkrankung eine frühe oder prämature Menopause durchmachen. Sie beschrieb eindrücklich, dass die betroffenen Frauen die Menopause häufig als biographische Zäsur erlebten, die mit einem Verlust von Sicherheitsgefühl sowie mit Wut, Trauer und Scham einhergingen. Diese Frauen profitieren von einer psychotherapeutischen Bearbeitung des Verlusts, Körperbildarbeit und einer begleiteten Neuorientierung. Auch das Sprechen über sexuelle Zufriedenheit hat einen großen Stellenwert. Durch eine psychotherapeutische Begleitung kann diese Übergangszeit für viele Frauen erleichtert werden, berichtet Siedentopf. 

Menopause enttabuisieren

Am Ende der Veranstaltung herrschte im Saal Erleichterung, dass die Menopause gemeinsam enttabuisiert und besprochen werden konnte. Das Symposium war ein wichtiger Impuls, um verschiedene Fachrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen und einen vielschichtigen und politischen Blick auf die Menopause zu werfen. Es entstand der Eindruck, dass es viel Wissen gibt, aber auch viel zu tun. Es herrschte Konsens, dass es sowohl im klinischen Tätigkeitsbereich als auch in der allgemeinen Bevölkerung zu wenig Aufklärung gibt. In den lebhaften Publikumsgesprächen sind viele Ideen für notwendige Maßnahmen entstanden. Ganz konkret kam der Wunsch nach Aufklärung in Schulen und Lehrbüchern auf, aber auch die Idee einer qualitätsgesicherten Anlaufstelle für Betroffene. Aus dem gemeinsamen Austausch ist ein solidarisches und ermutigendes Gefühl entstanden, das Publikum und Vortragende miteinander teilten. 

Hannah Kocevar ist Assistenzärztin an der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie an der Medizinischen Universität Wien.

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